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„Lkw-Fahrer übersieht Motorrad - zwei Schwerverletzte“ - besonders in den Sommermonaten sind solche Schlagzeilen leider sehr häufig zu lesen. Bei derart schweren Unfällen wird dann oft der Rettungshubschrauber gerufen. In einem Umkreis von 50 Kilometern um den Luftrettungsstandort an der Lindenstraße 19 in Rheine, kommt dann der Christoph Europa 2 zum Einsatz.
Seit 1998 befindet sich die Luftrettungszentrale in der Lindenstraße 19. Hier, auf dem Dach eines Parkhauses befindet sich der Hangar für den Helikopter und von hier startet das Rettungsteam, das aus einem Piloten, einem Sanitäter und einem Anästhesisten besteht, auch zu seinen Einsätzen. Die Zeit bis zum Notfall können die Teammitglieder in den Gemeinschaftsräumen überbrücken. Hier können sie fernsehen, sich etwas zu Essen kochen oder sogar schlafen. Doch wenn der Melder los geht, dann müssen sie von jetzt auf gleich alles stehen und liegen lassen, von der gerade geschauten TV-Serie auf Notfallrettung umschalten. Denn Ziel ist es, innerhalb von zwei Minuten in der Luft und auf dem Weg zum Unfallopfer zu sein. „Zeit ist ein entscheidender Faktor in der Luftrettung“, erklärt Anästhesist Dr. Christoph Hartger, der seit dem Zivildienst vor 15 Jahren zuerst in der Bodenrettung und seit zwei Jahren in der Luftrettung tätig ist. Das gesamte Luftrettungsteam besteht aus acht Rettungssanitätern der Berufsfeuerwehr Rheine, drei Piloten, die aus einem Pool von Piloten des ADAC unterstützt werden, und acht Anästhesisten des Mathias-Spitals in Rheine.
Von morgens um sieben bis Sonnenuntergang ist der Rettungshubschrauber im Einsatz. Im Sommer können das schon mal 14-Stunden-Schichten sein, wenn die Sonne erst um halb zehn Uhr abends untergeht. Der Pilot muss dann abschätzen, ob der Einsatz noch zuschaffen ist. „Es gab schon mal Fälle, wo wir die Maschine stehen lassen mussten“, erinnert sich Hartger. Ohnehin hat bei fragwürdigen Wetterverhältnissen mit schlechter Sicht immer der Pilot das letzte Wort, ob geflogen wird oder nicht, denn letztendlich geht der Selbstschutz der Retter vor. Das Einsatzgebiet des Christoph Europa 2 umfasst einen Radius von 50 Kilometern um Rheine. Dazu gehören Münster, das nördliche Ruhrgebiet, bis Osnabrück und ins Emsland, ja sogar über die Landesgrenze hinaus in den Niederlanden ist die Rheiner Luftrettung unterwegs. Die Verständigung läuft dann auf deutsch oder englisch. „Generell ist die Kommunikation am Unfallort sehr wichtig“, weiß der Anästhesist. Die schweren Unfallopfer werden etwa jeweils zu einem Drittel in die Kliniken nach Münster oder Osnabrück und zu einem Viertel nach Enschede gebracht. Der Rest verteilt sich auf Hospitale in Meppen und im Ruhrgebiet. Egal ob Herzinfarkt, Schlaganfall oder Verkehrsunfall – die Luftretter werden immer dann gerufen, wenn es schnell gehen muss. Doch neben diesen Primäreinsätzen werden manchmal auch nur die Notärzte schnell zum Unfallort geflogen, ohne dass ein Patient dann transportiert wird. Auch Sekundäreinsätze, bei denen Patienten nur von Krankenhaus zu Krankenhaus verlegt werden, gehören zu den Aufgaben. So kamen die Luftretter im Jahr 2010 auf 1242 Einsätze.
Seit 30 Jahren gibt es den Luftrettungsstandort in Rheine. Bis 1998 hatte die Bundeswehr die Leitung inne und war damals mit einer Bell UH D1 unterwegs. Doch die Bundeswehr zog sich seit den 1980er Jahren langsam aus der Luftrettung zurück, 1998 übernahm der ADAC. Seitdem ist ein Rettungshubschrauber vom Typ Eurocopter 135 im Einsatz, der bis zu 260 km/h schnell fliegen kann. Anders als im Auto sitzt der Pilot vorne rechts, neben ihm der Rettungssanitäter, der gleichzeitig Co-Pilot ist und navigieren muss. Patienten werden auf einer Trage durch das Heck in den Helikopter eingeladen, der Arzt sitzt hinten bei ihm. Die Maschine ist mit allem ausgerüstet, was man zur Notfallrettung benötigt. Bei Einsätzen ist manchmal auch Kreativität gefragt. „Wenn wir einen Einsatz in einem Wohngebiet haben, muss der Pilot schon mal etwas entfernt auf einem Spiel- oder Sportplatz landen. Dann müssen wir manchmal sogar ein Auto anhalten, das uns dann schnell zur Unfallstelle fährt“, berichtet Christoph Hartger von seinem abenteuerlichen Alltag. Zudem muss das Team fit sein: „Einen Zehn-Minuten-Dauersprint muss man schon durchhalten.“ Oft werden die Luftretter auch zu Motorradunfällen gerufen. „Da liegt man dann schon mal im Graben in den Brennnesseln und behandelt die Patienten.“
Christoph Hartger ist schon als Zivi im Rettungswagen mitgefahren und hat anschließend Medizin studiert. Nachdem er in Paderborn zehn Jahre im Bodenrettungsdienst unterwegs war, ist er seit zwei Jahren in Rheine als Anästhesist im Matthias-Spital und etwa acht bis zehn Tage im Monat in der Luftrettung tätig. Für ihn sind die Luftrettungsdienste eine willkommene Abwechselung zum Klinikalltag. „Das ist die Krone der Rettungsmedizin, quasi High-End, mehr geht nicht. Die schwersten Fälle machen wir“, ist der Familienvater von seinem Job begeistert. Zudem sei das Fliegen etwas Besonderes. Man lerne viele Menschen und Kollegen kennen, mit denen man effektiv zusammenarbeiten müsse. „Für einen Tag sind wir ein Team.“
Die Kehrseite der spannenden Arbeit ist, dass die Retter natürlich auch immer wieder mit Toten konfrontiert werden. Auch abgetrennte Gliedmaßen oder brandverletzte Kinder hat er schon gesehen. „Damit muss man leben und das verarbeiten können.“ Ein prägendes Erlebnis war für Hartger ein Unfall, bei dem in Bissendorf zwei Lkw ineinander fuhren. Einer der Fahrer war eingeklemmt und anfangs ging es ihm gut. „Aber wir haben trotzdem die zwei Stunden gewartet, bis die Feuerwehr ihn befreit hatte, denn im Laufe der Zeit ging es ihm immer schlechter. Da haben wir die richtige Entscheidung getroffen.“
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Autor: Daniela Lepper Eingestellt am: 16. März 2011, 15:39 Uhr Eingestellt unter: Reportage |
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| Abgedruckt in: Hörsteler Stadtmagazin, Ausgabe 87 Alle Artikel aus dieser Ausgabe | |
| Abgedruckt in: Stadtjournal Rheine, Ausgabe 6 Alle Artikel aus dieser Ausgabe | |
| Abgedruckt in: Marktplatz Mettingen, Ausgabe 8 Alle Artikel aus dieser Ausgabe |
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