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In den Räumlichkeiten des Sozialkaufhauses am Spatzenweg 46 herrscht reges Treiben: Während die Ehrenamtlichen der Tafel im kleinen abgetrennten Bereich Karotten, Paprika und Salat sortieren, stöbern nebenan Kunden in der Schuhabteilung auf der Suche nach einem Paar wetterfester Stiefel. Eine junge Mutter sucht eine Winterjacke für ihre fünfjährige Tochter, die gerade keine Lust hat, etwas anzuprobieren und an der Kasse bezahlt ein älterer Herr mit Halbglatze zwei Bücher für insgesamt einen Euro. Die Brückenjobberin nimmt das Geld entgegen, packt dann den Lesestoff in eine Tasche und wünscht dem Herrn „noch einen schönen Tag“. Eigentlich läuft hier alles genauso ab wie in einem normalen Kaufhaus, nur dass die Waren gebraucht sind und Menschen mit Handicap an der Kasse stehen.
Während die einen in dem großen Angebot an Waren auf 800 Quadratmetern stöbern, bringt eine ältere Dame mit roter Brille einige ausgemusterte Sachen aus ihrem Kleiderschrank. „Hallo, ich hab wieder was für euch“, sagt sich lachend und hat sichtlich Spaß daran, das Sozialkaufhaus zu unterstützen. „Wir sind darauf angewiesen, dass Bürger uns fördern und Kleidung, Möbel und Haushaltswaren spenden. Das funktioniert schon super“, sagt Irene Fröhlich, Leiterin für Arbeit und Beschäftigung im Sozialkaufhaus. „Allerdings scheint es noch nicht überall angekommen zu sein, dass im Sozialkaufhaus jeder Emsdettener auch ohne Berechtigungsschein etwas kaufen kann. Wir brauchen die Besucher.“ Schließlich hat die soziale Einrichtung laufende Kosten wie Strom und Miete, die gezahlt werden müssen und je mehr Umsatz gemacht wird, desto besser ist es.
Das Besondere am KadeCa, dem sozialen Kaufhaus der Caritas ist die Win-Win-Situation für alle Beteiligten: Denn neben der Möglichkeit, kostengünstig gebrauchte Waren einzukaufen, wird die Möglichkeit zu bezahlter stundenweiser Beschäftigung, in Form von Brückenjobs, ehrenamtlichen Engagements und teilweise auch als arbeitstherapeutisches Angebot geboten. Für einen Teil der Beschäftigten ist die Arbeit im KadeCa eine Hilfe zur Strukturierung des Alltages. Anderen dient die Tätigkeit zum beruflichen Wiedereinstieg nach langen Phasen von Arbeitslosigkeit. „Das Ziel ist es also, Ressourcen im Rahmen der Nachhaltigkeit zu nutzen und gleichzeitig Menschen mit Handicap eine sinnvolle Beschäftigung geben“, erklärt Fröhlich. Über 10.000 Kunden haben im letzten Jahr im Sozialkaufhaus eingekauft. 2010 waren es noch 7.900. Trotz dieser positiven Entwicklung ist da für Fröhlich und Kollege Michael Hellrung noch Luft nach oben. „Viele wissen noch gar nicht, dass es uns hier gibt.“
Und diese Emsdettener verpassen etwas: Das Sozialkaufhaus ist hell und freundlich eingerichtet. Beim Kleiderverkauf wird alles nach Größen sortiert, nichts riecht muffig oder ist knitterig. Stattdessen wird modische Second-Hand-Kleidung für jedes Alter angeboten. Ein Besuch bietet sich vor allem für Familien mit Kindern an, die schnell aus den Sachen herauswachsen. Die Schuhe sind in einem extra Schuhregal untergebracht und es gibt sogar eine Umkleidekabine, wo Hemden, Hosen oder Jacken in aller Ruhe anprobiert werden können. Kinderkleidung gibt es ab zehn Cent, für einen Pullover zahlt man zwei Euro, für einen Wintermantel allerhöchstens fünf.
Die Möbel- und die Haushaltswarenabteilung erhalten ihre Waren aus Haushaltsauflösungen und wenn Menschen ihre noch gut erhaltenen Möbel abgeben wollen, weil sie neue bekommen. „Das sollten aber schon einigermaßen moderne Stücke sein. Schließlich müssen wir sehen, dass wir das auch wieder loswerden, denn das Sozialkaufhaus lebt von einem guten Durchlauf der Waren“, erklärt Mitarbeiter Günter Melnik. Die Mitarbeiter holen die Möbel ab und bauen sie im Sozialkaufhaus wieder auf. In der Haushaltswarenabteilung können die Kunden eigentlich alles finden, was man braucht, um eine Wohnung einzurichten: Hier gibt es Blümchengeschirr, Teekannen, Bücher, Gesellschaftsspiele und auch eine große Auswahl an Spielwaren für Kinder. „Die Haushaltsabteilung ist wie eine Wundertüte, da gibt es Allerlei und für jeden Geschmack ist etwas dabei“, zeigt sich Fröhlich begeistert über das Angebot. Wer gerne stöbert und Kleinigkeiten für Dekoration zum Schnäppchenpreis sucht, ist hier genau richtig.
Für die Tafel sind drei Fahrzeuge an fünf Tagen in der Woche im Einsatz, um Lebensmittel am Rande der Haltbarkeit von Supermärkten abzuholen. 40 Ehrenamtliche sortieren Obst, zupfen braune Blätter von Kopfsalaten ab, räumen Brötchen in die Regale und Gebäck in die Verkaufstheke. „Bei der Tafel geht es nicht um eine Vollversorgung, sondern nur um eine Aufstockung, damit die Bedürftigen etwas mehr Geld zum Leben übrig haben“, erklärt Michael Hellrung. 279 Kunden kommen regelmäßig, um sich für einen kleinen Betrag von zwei Euro zusätzlich mit Lebensmitteln zu versorgen. Die Ware wird nicht zugeteilt, sondern die Kunden dürfen sich im gewissen Rahmen die Waren selbst aussuchen. „Das vermittelt eher das Gefühl, dass man ganz normal einkauft. So werden die Leute vom Bittsteller zum Kunden“, erklärt der Sozialpädagoge.
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Autor: Daniela Lepper Eingestellt am: 22. Februar 2012, 09:09 Uhr Eingestellt unter: Hobby & Verein |
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| Abgedruckt in: Stadtjournal Emsdetten, Ausgabe 4 Alle Artikel aus dieser Ausgabe |
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