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„Man sieht es vielleicht nicht so auf der Straße, wie das in Großstädten der Fall ist. Aber auch in Emsdetten gibt es Armut“, weiß Schuldnerberater Georg Eickel. Im Jahr 2010 hat er rund 300 Hilfesuchende betreut. 150 Neuanfragen gibt es jedes Jahr. „Die meisten Kunden können nicht innerhalb eines Jahres so beraten werden, dass sie ihre Schulden komplett loswerden. Das ist meist ein langer, mühsamer Weg.“
Georg Eickel ist quasi der Peter Zwegat von Emsdetten. Genauso wie der bekannte TV-Schuldnerberater versucht der studierte Jurist und Sozialpädagoge Menschen am Rande der Insolvenz wieder auf den richtigen Weg zu bringen, das Minus auf dem Konto wieder in ein Plus zu verwandeln, so dass seine Kunden wieder ruhiger schlafen können. „Schulden belasten die Menschen unheimlich“, weiß Eickel, der seit 2008 die städtische Schuldnerberatung in Stroetmanns Fabrik leitet. „Es gibt hier genug zu tun“, kann er sich nicht über mangelnde Aufgaben beklagen. „Die Schuldnerberatung wurde von Anfang an gut angenommen. Davon profitiert nicht nur der Betroffene, sondern auch die Wirtschaft, die Gesellschaft und die Politik, wenn Betroffene aus der Armut geholt werden und wieder wirtschaften können.“
Das Ziel des Schuldnerberaters ist natürlich in erster Linie, die Überschuldung zu regeln. Aber für Eickel ist es mindestens genauso wichtig, dafür zu sorgen, dass die betreffenden Personen in Zukunft nicht wieder neu in diese Situation geraten. Dass er sich damit einer viel schwierigeren Aufgabe stellt, ist ihm klar. „Es ist manchmal nicht leicht, den Kunden klar zu machen, dass sie sich komplett umstellen müssen. Da geht es um Einstellungsänderung.“ Dabei nimmt er die Schuldner selbst in die Verantwortung. „Die müssen sich überlegen, wo sie sparen können, eine Haushaltsplanung aufstellen und lernen vorausschauend zu wirtschaften.“ Seine Kunden lernen, dass es besser ist, im Voraus auf eine notwendige Ausgabe wie die Stromrechnung zu sparen, als wenn man das Geld nicht hat und dann einen Kredit aufnehmen muss. „Viele denken nur von heute auf morgen und schieben beiseite, dass sie Miete, Strom, Telefon oder Versicherungen regelmäßig zahlen müssen.“ Einigen werde das Problem erst richtig bewusst, wenn man ihnen zum Beispiel den Strom abdreht oder die Zwangsräumung der Wohnung droht, weil Miete nicht gezahlt wurde. In solchen akuten Fällen hilft Eickel sofort, alle anderen müssen einen Termin vereinbaren, der in aller Regel aber innerhalb von einer Woche zu bekommen ist.
Die Schuldnerberatung bietet ganz individuelle Lösungen. „Es gibt keinen vorgefertigten Ablauf, sondern die Leute kommen wieder, wenn es etwas Neues zu besprechen gibt.“ Alles beginnt mit einem Erstgespräch, bei dem sich Eickel einen Überblick über die Problemlage verschafft. Dann plane er die Struktur. „Manche kommen wöchentlich, manche brauchen nur zwei bis drei kurze Beratungen.“ Die Leute sollen auch eigentlich mit Hilfestellung alles selber machen, so gut sie es eben können. Im Schnitt berät er jeden Kunden zehn bis 15 Stunden, manche auch 25 bis 30.
Die Gründe, in die Schuldenfalle zu geraten sind vielfältig. „Die wenigsten haben zum Beispiel das Bargeld für ein Auto. Also wird es finanziert. Das geht aber nur so lange gut, wenn nichts dazwischen kommt. Wenn man dann plötzlich seine Arbeit verliert, gibt es Probleme.“ Auch Einkommensverluste wie Kurzarbeit oder plötzlich ausbleibendes Weihnachtsgeld oder Trennung/Scheidung können Gründe sein. „Es ist selten nur ein Grund“, weiß der Schuldnerberater. Überdurchschnittlich hoch ist in Emsdetten die Zahl derer, die über eine gescheiterte Selbstständigkeit in die Schulden abrutschen. „Das sind allerdings nur Kleingewerbetreibende wie Handwerksbetriebe. Wenn mal ein größerer Auftraggeber nicht bezahlt, aber die Materialien und die Löhne schon gezahlt wurden, gibt es keinen Puffer, der das abfängt“, kennt Eickel die klassischen Situationen.
Den „typischen“ Schuldner gibt es indes nicht: „Zu uns kommen Leute aller Schichten, junge Erwachsene ebenso wie Rentner.“ Der Anteil der Jugendliche unter 20 Jahren steigt deutschlandweit langsam an. In Emsdetten halte sich diese Entwicklung aber noch in Grenzen. Oft kommen nicht die Betroffenen selbst, sondern eher die Eltern in die Beratung.
Doch Eickel beschäftigt sich nicht nur mit Schuldnern, sondern ist in Kindergärten und Schulen auch im Bereich der Prävention tätig. Bei Besuchen versucht er, Finanzkompetenz zu vermitteln. Der hauptamtliche Schuldnerberater bekommt Hilfe von drei ehrenamtlichen Mitarbeitern, die den Schuldnern kleine Hilfestellungen leisten, wie zum Beispiel sie zu einem Banktermin zu begleiten.
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Autor: Daniela Lepper Eingestellt am: 22. Februar 2012, 08:49 Uhr Eingestellt unter: Aktuell |
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| Abgedruckt in: Stadtjournal Emsdetten, Ausgabe 4 Alle Artikel aus dieser Ausgabe |
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