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Samstagmorgen, 9.30 Uhr, es regnet in Strömen, Neben wabert über die Wiese in der Nähe des Dyckerhoff Steinbruchs in Lengerich und die Temperaturen schwanken um vier Grad. Bei diesem Wetter am Wochenende würde sich wohl so mancher im Bett noch einmal herumdrehen und weiterschlafen, weil sich das Aufstehen sowieso nicht lohnt. Nicht so die Mitglieder der Arbeitsgemeinschaft für Natur im Tecklenburger Land (ANTL). Etwa 20 Damen und Herren haben sich die Gummistiefel angezogen, die Regenjacke übergeworfen, Arbeitshandschuhe übergestülpt und sich die Spitzhacke geschnappt, um die Wiese von wild wachsenden Birken, Kiefern und Fichten zu befreien, damit hier im Frühjahr wieder seltene Orchideenarten sprießen können. Eine mühselige Arbeit im Matsch und Regen.
Vier bis fünf solcher Arbeitseinsätze veranstaltet die ANTL jedes Jahr. „Dabei versuchen wir, der Natur auf die Sprünge zu helfen, denn es muss Lebensraum da sein“, erklärt der zweite Vorsitzende Thomas Volk, während er die Spitzhacke immer wieder tief in den Boden rammt, bis er einen der jungen Pflanzentriebe herauszupfen kann. Einige seiner Mitstreiter sammeln diese auf und räumen sie weg. „Wir haben hier so schöne Natur, da sollte man so viele Nischen wie möglich schaffen. Man kann schon was bewirken“, resümiert er. Kollegin Irmgard Heicks sieht es ähnlich: „Wenn wir unsere Aktivitäten einstellen würden, würde man alles machen, was wirtschaftlich lohnend ist.“ Die Pressesprecherin verweist auch darauf, dass die ANTL in den 1970er Jahren gegen die Begradigung von Gewässern protestiert habe und heute würden Flüsse renaturiert. Zudem habe sich Otto Kimmel zum Beispiel jahrelang im Eulenschutz engagiert und mittlerweile sei in dieser Region wieder eine namhafte Steinkauzpopulation entstanden.
Seinen Ursprung hat die ANTL im Raum Mettingen und Recke. 1976 schlossen sich hier einige aktive Naturschützer zusammen. Damals stand zunächst der Naturschutz im Recker Moor im Mittelpunkt. „Zu dieser Zeit wurde viel gebaut, aber dabei wenig auf den Naturschutz geachtet“, erklärt Heicks. „Da sah man dringend Handlungsbedarf.“ Und da das nicht nur in Recke und Mettingen der Fall war, weiteten sich die Einsatzorte weiter aus und es kamen immer mehr Mitglieder auch aus den umliegenden Orten hinzu.
Ziele der ANTL sind der Erhalt der natürlichen Strukturen, der Einsatz für die Artenvielfalt sowie der Biotop-Schutz, was sich natürlich auch gegenseitig bedingt. Aber der Verein setzt sich nicht nur für lokalen Natur-, Landschafts- und Umweltschutz ein, sondern informiert bei Vorträgen in ihren Räumlichkeiten an der Sägemühle am Haus Marck in Tecklenburg auch über Massentierhaltung, regenerative Energien und Auswirkungen der Landwirtschaft auf die Natur. Weitere Einflussmöglichkeiten der ANTL sieht Heicks in der Öffentlichkeitsarbeit und darin, dass sie, wie alle anderen Naturschutzorganisationen auch, Stellungnahmen jeglicher Art, z.B. zu Straßenbauvorhaben oder Abgrabungsgenehmigungen abgeben dürfen.
Die ANTL beschäftigt mit ihren 600 Mitgliedern im gesamten Altkreis Tecklenburg sogar einen hauptamtlichen Landschaftspfleger und einen Schäfer, der eine Wanderschafherde mit über 500 Tieren an den Hängen des Teutoburger Waldes zwischen Lienen und Brochterbeck hin und her führt. Die Schafe sorgen durch ihr Grasen für freie Flächen, wo sich wieder neue Pflanzen etablieren können. Es gibt verschiedene Arbeitsgruppen, die sich mit unterschiedlichen Themen wie Fledermäusen oder Orchideen beschäftigen. Der Weg, bestimmte Populationen zu sichern, geht meist über die Sicherung des Lebensraums, so wie auch bei den Orchideen in Lengerich. Dazu zählt weiterhin der Erhalt von Streuobstwiesen. Die Bäume bieten nicht nur in ihren Stämmen verschiedenen Vögeln Unterschlupf und Nistmöglichkeiten, sondern ziehen auch viele Insekten als Nahrung an. Zudem kümmert sich die ANTL um Freistellung von Feuchtwiesen, Kopfweidenschnitt und veranstaltet einmal im Jahr eine Apfelsaft-Aktion und den Schaftag-Tag in Lengerich.
Auch engagiert sich die ANTL im Bereich der Umweltbildung, sei es im Rahmen der Ganztagsbetreuung an Schulen oder bei Kindergeburtstagen in der Natur. „Da wird gefilzt, Wasserproben an Flussläufen genommen oder mit Käschern hantiert“, berichtet Heicks stolz. Einmal im Jahr findet ein Naturerlebnis-Camp statt, bei dem Kinder vorwiegend tolle Sachen im Zusammenhang mit Naturschutz erleben, aber auch mal schwimmen oder ein Eis essen gehen. Gerade wird daran gearbeitet, in Zukunft wieder eine Jugendgruppe aufzubauen. Neben den ganz jungen Umweltschützern gibt es aber auch eine ganz aktive Gruppe der ANTL-Senioren, die auch in Kindergärten und Schulen Nistkastenbau mit den Kleinen anbietet.
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Autor: Daniela Lepper Eingestellt am: 8. Februar 2012, 14:08 Uhr Eingestellt unter: Hobby & Verein |
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| Abgedruckt in: Stadtjournal Ibbenbüren, Ausgabe 15 Alle Artikel aus dieser Ausgabe |
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