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Wer hat an meinen Hortensien gefressen?“, könnte heute das Rotkäppchen aus dem Märchen fragen. Wer hat sie eventuell beschnitten und die Frage ist warum? Jedes Jahr bemerken Gartenfreunde, dass ihre Hortensiensträucher nicht mehr so aussehen, wie im Herbst, nachdem die Blätter in den ersten Herbsttagen abgefallen waren. Für den Eigentümer dieser Sträucher ist das immer wieder ärgerlich, weil bis heute keine Übeltäter dingfest gemacht werden konnten. Was ist dran an dieser jährlich wieder auftretenden Geschichte?
Schon vor gut zehn Jahren sprach mich mein Nachbar an, dass ihm seine Hortensien abgeschnitten worden waren: „Bei dir doch auch!“, meinte er, wobei ich diese Frage nicht beantwortete. Denn ich hatte diese Sträucher selbst beschnitten. Das mache ich auch heute noch, um die Größe der Hortensien in meinem Garten zu reduzieren. Natürlich weiß jetzt der Gartenexperte, da geht ihnen aber eine Blütenpracht im Sommer verloren! Sicher, einige Blüten fehlen. Nur die Hortensien sollten nicht ausufern. Und wenn Sie das Foto meiner Hortensien betrachten, können Sie sicher nicht von einem großen Blütenverlust durch Herbstschnitt sprechen.
Doch nun zum unerwünschten Hortensienschnitt! Schauen Sie mal im Internet nach! Der Hortensienklau geht wohl in ganz Deutschland um. Das scheint ein deutsches Phänomen zu sein, obwohl die schönsten Hortensien in England, Irland, Madeira oder auf den Azoren wachsen. Ach ja, dort werden diese Sträucher jedes Jahr sehr stark beschnitten. Sind die Diebe nur auf das Pflanzmaterial aus, wie vor Jahren berichtet wurde, um kostenlos an Stecklinge zu kommen? Diese Theorie wurde schnell verworfen, da weder Art, Sorte noch Farbe im blühten- und blattlosen Zustand zu erkennen ist. Fressen Tiere an den Sträuchern? Ja, ein Gartenbesitzer hat ein Eichhörnchen gesehen, das Hortensien beknabberte. Die in den letzten Jahren aufgekommene Theorie ist das Rauchen der Knospen als Drogenersatz. Schon 2010 berichtete die Bildzeitung darüber mit dem Spruch: „Jetzt rauchen Kiffer schon Blumen weg!“ Naturdrogen liegen heute im Trend. Sie sind billig und unauffällig herzustellen. Auch gelten sie beim Konsumenten als harmlos, was besonders bei Hortensien nicht der Fall ist. Neben der als Rauschzustand verantwortlichen Droge Hydrangin werden beim Verbrennungsprozess Blausäureverbindungen freigesetzt. Und das kann lebensgefährlich werden. Aber werden wirklich alle verschwundenen Hortensienstecklinge als Droge verarbeitet? Sicher nicht! Das Rätsel lässt sich wohl nicht ganz aufklären. Für die Geschädigten habe ich nur den einen Trost: Auch im folgenden Sommer werden Ihre Hortensien trotz Diebstahl Blüten austreiben. Denn weniger der Schnitt ist ein Blütendieb, als der Spätfrost, wenn die Hortensien gerade anfangen zu treiben.
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Autor: Dr. Klaus Offenberg Eingestellt am: 7. Februar 2012, 12:00 Uhr Eingestellt unter: Natur & Garten |
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| Abgedruckt in: Hörsteler Stadtmagazin, Ausgabe 92 Alle Artikel aus dieser Ausgabe |
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