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Hans-Jürgen Peter sitzt in seinem kleinen Büro vor seinen ganzen Geräten mit vielen Knöpfen, Schaltern und Reglern. Direkt vor Ihm steht ein Mikrophon, er drückt den Sendeknopf und spricht hinein. Zuvor hat er einen Funker aus Dachau gehört, der Kontakt sucht. Der antwortet auch sofort. Sie unterhalten sich über ihre technische Ausstattung, teilen dem anderen ihren jeweiligen Standort mit und Peter gibt dem Kollegen noch den Tipp, dass er auch einen Sonder-DOK (40N33) für die Clubstation des Ortsverbandes Greven-Emsdetten mit dem Rufzeichen DL0UW anlässlich des 40. Jubiläums zu verteilen hat. Diesen Kontakt kann sich der Funker aus Dachau auch mit einer extra QSL-Karte bestätigen lassen.
Viele sammeln diese QSL- Karten“, weiß der Vorsitzende des DARC-Ortsverbandes Greven-Emsdetten. Sie sind so etwas wie eine Visitenkarte, die jeder Funker auf der ganzen Welt hat. Darauf ist das Rufzeichen, mit dem er registriert ist, der Name und der Wohnort vermerkt. Alles andere kann individuell gestaltet werden. Nach einem Funkkontakt schicken sich die Funker in der Regel diese Karten gegenseitig zu und dokumentieren damit ihre Funkkontakte. Peter trägt zudem jeden Kontakt in ein spezielles Computer-Logbuch-Programm mit Datum, Ortzeit und Ort ein. Allein in den letzten beiden Tagen hatte er Funkkontakt mit einigen Engländern, einem Spanier, einem Griechen und einem Österreicher. „Psssst, jetzt funkt gerade ein Japaner“, sagt Peter während er ein wenig an der Frequenz und der Lautstärke herumdreht. „Der Japaner ist nur sehr leise und es rauscht auch ein wenig. Da muss man schon manchmal ganz genau hinhören.“ Kontakte mit Funkamateuren von der anderen Seite der Erdkugel sind seltener und deshalb auch sehr beliebt. „Das brauche ich jetzt gar nicht zu versuchen, den anzufunken. Mit dem wollen jetzt alle reden“, winkt der Amateurfunker ab. Häufig kommuniziert er mit Amerikanern, Chinesen und Japaner sind auch schon mal dabei, aber manchmal auch Funkamateure aus Staaten wie Südamerika, Afrika oder Tahiti. „Kurz gesagt: Wir funken um die ganze Welt, wo andere Menschen an den Mikrofonen sitzen und versuchen, über zig tausende Kilometer mit anderen in Kontakt zu treten.“
Dazu braucht man neben der entsprechenden technischen Ausstattung inklusive erforderlicher Antennenanlagen, von denen Peter zum Beispiel zwei im Garten hat,
vor allem physikalisches Verständnis, Wissen über Elektrotechnik und Freude am technischen Basteln. Englischkenntnisse sind von Vorteil. Aber um überhaupt funken zu dürfen, muss man eine Prüfung bei der Bundesnetzagentur ablegen. Die DARC-Ortsverbände, von denen es in Deutschland etwa 1.000 gibt, bieten in der Regel Kurse an, bei denen zum Beispiel auch Morsezeichen gelernt werden. Aber man kann sich das Wissen auch anhand des Lernmaterials selbst aneignen.
Schon als Kind hat sich der Emsdettener immer gefragt, woher die Musik aus dem Radio kommt. „Als dann mal ein Radio- und Fernsehtechniker bei uns war und ein Radio geöffnet hat, war ich ganz fasziniert.“ Von diesem Zeitpunkt an bastelte er viel und baute eigene kleine Sender und startete Versuche: Wie weit kommt man mit welcher Leistung? Doch so richtig in das Amateurfunkgeschäft stieg er erst mit Mitte 20 ein, als er über seinen Schwiegervater in Kontakt zu einem Amateurfunker kam. „Dort habe ich dann die großen Sendeanlagen gesehen und war sofort begeistert“, erinnert sich der heute 62-Jährige.
„Beim Funken ist die interessante Frage: Wie weit kann ich mit welcher Sendeleistung bei verschiedenen Ausbreitungsbedingungen der elektromagnetischen Wellen funken?“, erklärt Peter seine Faszination für dieses ungewöhnliche Hobby. „Wenn ich eine Station höre, kann ich versuchen, sie zu erreichen.“ Danach wird der Kontakt mit den QSL-Karten bestätigt. In diesem Zusammenhang kann man auch bestimmte „Diplome“ erwerben, wenn man z.B. mit Funkamateuren von jedem Kontinent auf der Welt Funkkontakt hatte. „Oder zur Fußball-WM wurde an beteiligten Stadien einen Station installiert, mit der man Funken konnte und so anhand der zugesendeten QSL-Karten auch ein spezielles Diplom bekommen konnte.“
Der Deutsche-Amateur-Radio-Club Ortsverband Greven-Emsdetten besteht in diesem Jahr seit 40 Jahren und hat 29 Mitglieder, darunter auch zwei Frauen. Die Teilnehmer kommen aus Emsdetten, Greven, Reckenfeld und Steinfurt. Jeden letzten Mittwoch im Monat treffen sich die Technikinteressierten zum Ortsverbandsabend in der Gaststätte Graute Beik in Emsdetten, wo meist Informationen ausgetauscht und über das Hobby geklönt wird.
Amateur-Funker können sich auch ohne Telefon und Internet mit der ganzen Welt unterhalten. Das hat auch schon dazu geführt, dass Funkamateure bei Katastrophen wie Erdbeben oder Schneekatastrophen die ersten waren, die mit ihren stets betriebsbereiten Geräten Funkverbindungen hergestellt und das z. T. zerstörte öffentliche Fernsprechnetz ersetzten und somit entsprechen Hilfe leisten konnten.
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Autor: Daniela Lepper Eingestellt am: 21. November 2011, 16:08 Uhr Eingestellt unter: Hobby & Verein |
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| Abgedruckt in: Stadtjournal Emsdetten, Ausgabe 3 Alle Artikel aus dieser Ausgabe |
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