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„Stellt euch vor, der Dummy kommt vom Schützenfest, ist voll wie ein Eimer und läuft euch bei 50 km/h vors Auto“, erklärt Peter Béfort von der Landesverkehrswacht den zuschauenden Jugendlichen die nachgestellte Situation, die auch im wahren Leben passieren könnte. Während die Schüler gebannt auf die in Körperbau, Größe und Gewicht echten Menschen nachempfunden Figur in der Mitte des abgesperrten Platzes starren, setzt der Stuntfahrer den kleinen, hellblauen Ford Fiesta zurück.
Am Ende der Bahn angekommen, hält er zunächst, um dann ordentlich auf das Gaspedal zu treten und auf 50 km/h zu beschleunigen. Schneller und schneller rast er auf die Attrappe zu. Beim laut scheppernden Aufprall fliegt der Dummy im hohen Bogen auf die Windschutzschreibe, schlägt mit dem Kopf ein und landete dann seitlich vor dem Auto auf dem Boden. „Oh mein Gott“, ruft eine Schülerin und reißt erschrocken die Hände vor das Gesicht. „So einen Unfall kann man in der Regel nicht überleben“, erklärt Béfort eindringlich. Das hat bei den meisten Jugendlichen einen bleibenden Eindruck hinterlassen.
Diese Vorführung war Teil des 4. Verkehrssicherheitstages in der Bundeswehrkaserne Rheine-Bentlage. Das Forum für Verkehrssicherheit setzte hierbei auf Prävention und Aufklärung und zeigte 2.100 Schülern von 21 weiterführenden Schulen aus dem gesamten Kreisgebiet, welche Gefahren im Straßenverkehr lauern. Das Ziel der Veranstaltung war, dass sich die Mädchen und Jungen für den Straßenverkehr sensibilisieren, Gefahren erkennen und vermeiden. Schließlich ist der Verkehrsunfall in der EU in der Altersgruppe der 14- bis 25-Jährigen die häufigste Todesursache. Und selbst, wenn man nicht stirbt, kann bei einem Unfall mit schwersten Verletzungen die ganze Zukunft zerstört werden. Dieses große Gefahrenpotential muss reduziert werden, da waren sich die Organisatoren einig. „Wenn nur einer von Ihnen durch diesen Tag keinen Unfall hat, hat sich die ganze Aktion schon gelohnt“, sagte der stellvertretende Landrat Dr. Martin Sommer zu Beginn der Veranstaltung.
Als Erlebnispädagogik bezeichnete Karl Dömer, Verkehrssicherheitsberater bei der Kreispolizei Steinfurt die Veranstaltung, weil die Schüler an zahlreichen Stationen vieles ausprobieren und am eigenen Leib erfahren konnten. „In den Schulen machen wir sonst nur Theorie, erklären, was passieren kann und zeigen Videos. Aber solche Aktionen, wo die Schüler selbst etwas ausprobieren können und das am eigenen Körper spüren, sind sehr viel effektiver.“ Zum Beispiel bei der Gurtrutsche. Hier setzten sich die Schüler auf einen Sitz, der beim Rutschen auf 10 km/h beschleunigt wurde. Dabei sind sie angeschallt und spüren beim Aufprall, wie sich der Gurt in den Oberkörper presst und sie zurückhält. „Da hatten viele einen Aha-Effekt. Viele haben gesagt: „Ihr habt das zwar immer erzählt, aber dass das wirklich so heftig ist, hätte ich nicht gedacht“, berichtet Dömer. Am Unfallsimulator konnten sich vier Schüler in ein Auto setzen, das sich dann viermal dreht, also einen Überschlag simuliert und dann kopfüber stehen bleibt. In dieser Position mussten sich die Schüler abschnallen und aussteigen. Dabei lernten sie, die Ruhe zu bewahren. Mit der sogenannten Suff-Brille konnten die Jugendlichen versuchen, Bälle zu fangen und verstanden, dass die Reaktionen unter Alkoholeinfluss nicht mehr so gut sind. Bei einem Tunnelblick mit 0,8 Promille verlangsamt sich die Reaktionszeit eines Jugendlichen am Simulator von 0,56 Sekunden auf 1,58 Sekunden.
Am meisten beeindruckt haben die Schüler aber wohl die teilweise spektakulären Crash-Tests. Dabei wurde zum Beispiel ein Auto aus 13 Metern Höhe auf einen Baumstamm fallen gelassen, um einen Baumunfall und seine Folgen zu simulieren. Das Blech des Wagens verbog sich, die Scheibe splitterte. Dann fuhr die Feuerwehr vor und die Jugendlichen wurden Zeugen einer lückenlosen Rettungskette: Die Feuerwehrmänner kümmerten sich zunächst um den eingeklemmten Verletzten und rückten dann mit der Rettungsschere an. Mit vier gezielten Schnitten trennten sie das Dach ab. Dann wurde der Insasse vorsichtig aus dem Wagen gerettet, auf eine Trage gelegt und zum Krankenwagen gebracht.
Wie sich der Bremsweg verlängert, wenn man anstatt 30 km/h 50 km/h fährt, zeigte die Verkehrswacht eindrucksvoll anhand von Crashtests mit einem Stuntman. Bei 30 km/h beträgt der Bremsweg bei einer Vollbremsung viereinhalb Meter. An dieser Marke wurde eine Wand aus Schaumstoffwürfeln aufgebaut. Dann stieg der Fahrer wieder ins Auto, beschleunigte auf 50 km/h und führte dann eine Schlagbremsung durch. Doch der hellblaue Ford Fiesta schoss mit voller Wucht durch die Schaumstoffwand hindurch. Die Würfel flogen durch die Luft. Warum ist das so? Peter Béfort von der Verkehrswacht erklärte: „Bei einer Verdoppelung der Geschwindigkeit vervierfacht sich der Bremsweg.“.
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Autor: Daniela Lepper Eingestellt am: 21. November 2011, 09:16 Uhr Eingestellt unter: Aktuell |
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| Abgedruckt in: Stadtjournal Rheine, Ausgabe 10 Alle Artikel aus dieser Ausgabe |
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