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Ohne einen einzigen Nagel oder Leim
Quelle: Daniela Lepper
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Quelle: Daniela Lepper
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Wannenmachermuseum zeigt alte Handwerkskunst

Die Wannenmacherei hat eine große Bedeutung in Emsdetten. Hier wurden seinerzeit Wannen für den gesamten Nordwestdeutschen Raum gefertigt. Um dieses Gewerk nicht in Vergessenheit geraten zu lassen, wurde im Jahr 1985 auf Anraten des Heimatbundes ein Museum eröffnet, dass einen Einblick in die mühselige Arbeit der Emsdettener Wannenmacher gibt.


Nein, Badewannen wurden in Emsdetten nicht hergestellt, auch wenn das manche ortsfremde Besucher des Museums erwarten. Ortsansässige wissen natürlich: Mit Wannen sind flache, aus Weiden geflochtene Körbe gemeint, die zur Getreidereinigung genutzt wurden. „Das lateinische Wort ‚Vannus’ heißt übersetzt soviel wie Getreideschwinge. Das ausgedroschene Getreide wurde in der Wanne durch ruckartiges Hochwerfen von Spreu und Staub getrennt“, erklärt Bernhard Thomitzek, der Leiter des Wannenmachermuseums an der Mühlenstraße ist. Es wurde 1985 eröffnet, um dieses Handwerk, für das Emsdetten so bekannt ist, der Nachwelt zu erhalten. Als Standort wurde das Haus, in dem die letzte Wannenmacherei in Emsdetten beheimatet war, ausgewählt. Da das Haus an der Wilhelmstraße abgerissen werden sollte, wurde es an dortiger Stelle abgebaut und im Museumspark wieder errichtet. Das Haus hat viele kleine Zimmer und es haben einmal acht Personen darin gewohnt.

„Die Wannenmacherei war eines der bedeutensten Gewerke in Emsdetten“, weiß Thomitzek. Seit wann es das Gewerbe in Emsdetten gab, ist nicht sicher. Die älteste Urkunde stammt aus dem Jahr 1645 und stellt nur eine Neubestätigung der alten Gildeordnung dar. „Das Handwerk muss es also schon lange vorher gegeben haben“, meint der Museumsleiter. Die Wanne wurde in dieser Form seit fast 2.000 Jahren verwendet. Emsdetten hatte hier eine Monopolstellung, denn die Gilde gab vor, dass nur Emsdettener das Handwerk ausüben und lernen durften. Hier wurden 25.000 bis 30.000 Wannen im Jahr gefertigt, mit denen der gesamte Nordwestdeutsche Raum und Teile der Niederlande versorgt wurden. In der Blütezeit der Wannenmacherei um 1750, verdiente etwa die Hälfte aller Emsdettener Handwerkshaushalte ihren Lebensunterhalt mit der Wannenherstellung.

„Für die gesamte Fertigung werden weder Leim noch Nägel benötigt“, ist Thomitzek begeistert von der alten Kunst. Für die Herstellung war eine Vielzahl von Arbeitsschritten notwendig, die ein hohes Maß an Erfahrung, Geschicklichkeit und körperliche Ausdauer erforderten. Einen Tag lang arbeitete ein erfahrener Meister an einer Wanne. 300 bis 500 Exemplare musste eine Familie jährlich produzieren, um ihren Lebensunterhalt zu sichern.
Typisch für die ganzen Emsdettener Wannen war das Viereck in der Mitte von dem aus immer linksherum gearbeitet wurde. Aber im Museum sind auch Wannen aus anderen Regionen in Deutschland zu sehen.

Zudem können sich Besucher nicht nur Wannen und für die Herstellung benötigte Werkzeuge absehen, sondern es wird auch ein Film gezeigt, in dem die einzelnen Arbeitsschritte erklärt und gezeigt werden. „Das war eine mühsame Arbeit.“ Der erste Schritt bis zur fertigen Wanne ist der Weidenschnitt im Herbst. Dann werden sie ins Wasserbecken gestellt und anschließend geschält. Das Holz für die Schienen wurde drei Stunden gekocht, damit es gespalten werden konnte. Da es nass verarbeitet wurde und der Wannenmacher nicht im Feuchten sitzen wollte, saß er in der Wanne auf einem winzigen Hocker. Er arbeitete stets mit sechs bis acht Weiden gleichzeitig. Das Handwerk ging im Zuge der Industrialisierung etwa ab 1850 zurück. Das Hauptwerkzeug, das Wannenmachereisen, findet sich noch heute im Wappen der Stadt.

1500 Besucher führen Thomitzek und vier weitere Kollegen jedes Jahr durch das Museum. Sie sorgen dafür, dass die Sammlung von Dienstag bis Sonntag von 15.00 bis 18.00 Uhr und sonntags zusätzlich von 10.00 bis 12.00 Uhr besucht werden kann. Zudem kümmern sie sich um Sonderführungen für angemeldete Gruppen. Für Schulen sind die Führungen kostenlos. Aber insgesamt kommen eher die Älteren, die sich für das alte Handwerk interessieren. Es werden noch weitere Museumsführer gesucht. Wer Interesse hat, kann sich bei Bernhard Thomitzek unter Telefon 02572 - 4610 melden.


Autor: Daniela Lepper
Eingestellt am: 9. September 2011, 11:16 Uhr
Eingestellt unter: Sehenswert
Abgedruckt in: Stadtjournal Emsdetten, Ausgabe 2
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